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9 ungerechte Vorurteile über Frugalismus

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9 ungerechte Vorurteile über Frugalismus

Ein Frugalist* ist weder ein Geizhals noch eine Spaßbremse. Auch lehnt er weder den Kapitalismus ab noch verweigert er den Konsum. Dieser Artikel räumt mit Vorurteilen auf und liefert Denkanstöße.

Klarstellung

Die oben erwähnten Klischees sind typisch und verbreitet. Daher ist es höchste Zeit für eine Richtigstellung. Denn tatsächlich kann jedermann aus dieser Idee einen Gewinn für sein eigenes Leben ziehen, ohne gleich zum Extremisten oder Aussteiger zu werden. Zeit also, das Image aufzupolieren.

Frugalismus in seiner Definition

Dieser Begriff hat es offiziell noch nicht in den deutschen Sprachschatz geschafft. Der Duden kennt nur das Wort Frugalität, was so viel wie Bescheidenheit oder Einfachheit bedeutet. Das dazugehörige Adjektiv frugal bezeichnet demnach jemanden, der in Bezug auf seine Lebensweise sparsam und bescheiden ist.

Vielleicht ist es ganz gut, dass dem „Frugal-“ bisher kein „-ismus“ als Wortendung zusteht. Schließlich erinnert das an fundamentale Glaubenslehren und Begriffe wie Extremismus oder Nationalismus.
Das jedoch entspricht dieser Idee in keiner Weise. Der Duden hat in dieser Hinsicht also sehr vorausschauend entschieden.
Da sich dieser Begriff umgangssprachlich aber nun einmal durchgesetzt hat, verwenden wir ihn und vergessen die sprachlichen Vorbehalte.

Ziel ist gerade nicht, eine neue Heilslehre zu predigen. Es geht vielmehr darum, das eigene Leben durch Sparsamkeit bewusster und nachhaltiger zu gestalten. Was das konkret bedeutet, muss jeder Frugalist für sich selbst herausfinden.

Buchstaben Würfel

Der Ursprungsgedanke

Entstanden ist diese Idee in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts in den USA.
Die Finanzkrise hat die Entwicklung beflügelt, da viele Menschen in eine Existenzkrise gerieten und nach Antworten suchten. Man begann an bisherigen Werten und Lebensentwürfen zu zweifeln. Seither gibt es zunehmend Zweifel daran, dass Konsum der Schlüssel zum Erfolg sei und man nur lebe, um zu arbeiten.
Die Folge ist ein gesellschaftlicher Wertewandel: Statussymbole verlieren an Bedeutung, ein gesünderer Lebensstil setzt sich durch, man will mehr Freizeit und weniger Hamsterrad und die Endlichkeit der Ressourcen prägt das Denken. Zwangsläufig verändert sich dadurch das Konsumverhalten.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie der Einzelne seine Lebensqualität erhalten oder verbessern kann.

Die Ziele

Generell geht es darum, durch finanziellen Spielraum unabhängiger zu werden sowie bestimmte Wünsche und Ziele zu ermöglichen. Beispielsweise könnte ein zweites Einkommen aus Kapitalerträgen – ähnlich einem bedingungslosen Grundeinkommen – freie Lebensentscheidungen ermöglichen. Populär ist das Ziel, frühzeitig in Rente zu gehen. Aber auch andere Perspektiven sind denkbar.

Sogar der Staat propagiert frugale Forderungen: Die Bürger sollen die Rentenlücke durch private Vorsorge stopfen.

Im Frugalismus schreibt jedoch niemand vor, wie das persönliche Lebensglück aussieht.
Jeder soll für sich selbst herauszufinden, was er will, statt sich Wünsche von Werbung und gesellschaftlichem Druck diktieren zu lassen. Bereits dieser erste Schritt bringt Freiheit.

Im Gegensatz zum Minimalismus wird aber kein Konsumverzicht propagiert. Es geht vielmehr um einen vernünftigen, kritischen Konsum und die Wertschätzung von Produkten.

zwei personen an einer Klippe in der Natur

Zielerreichung durch Sparen

Es funktioniert nicht ohne Sparsamkeit. Ausgaben und Anschaffungen werden kritisch auf ihre Notwendigkeit hinterfragt. Dazu muss man ehrlich mit sich selbst sein und als Motivation ein klares Sparziel definieren.
Sparsam zu sein bedarf einer gewissen Übung; Rückschläge sind dabei menschlich und sollten nicht entmutigen.

Ein weiterer Schritt besteht darin, laufende Kosten auf ihre Notwendigkeit hin zu überprüfen. Dabei durchleuchtet man bestehende vertragliche Verpflichtungen und passt beispielsweise Versicherungs- oder Mobilfunkverträge regelmäßig den eigenen Bedürfnissen an oder kündigt sie sogar.

Sparsamkeit erfordert Disziplin und Durchhaltevermögen. Wie beim Sport führt auch hier Training zum Erfolg und kann sogar Freude bereiten, wenn man Widerstände überwindet und Ziele erreicht.

Verzicht hingegen, von dem in diesem Zusammenhang oft die Rede ist, hat hier nichts verloren. Dieses Wort impliziert das ersatzlose Streichen gegen den eigenen Willen. Das widerspricht dem Grundgedanken, weil es dazu führt, die Lebensqualität zu mindern.

Finanz Plan, Taschenrechner und Block

Kritik

Innerhalb der Bewegung gibt es Stimmen, die sich nur auf ein Ziel konzentrieren. Hierbei geht es stets darum, Geld am Kapitalmarkt anzusparen, um frühzeitig in Rente zu gehen. Das birgt die Gefahr, dass die Empfänger dieser Botschaft wieder zu kritiklosen Konsumenten werden. Die ersten Banken werben bereits mit Geldanlagen für Frugalisten und auf dem Büchermarkt tummeln sich Ratgeber zum Thema der frühzeitigen Rente.

Frugalismus muss für individuelle Lebenssituationen eine maßgeschneiderte Antwort finden. Frühzeitig in Rente zu gehen kann sich nur leisten, wer ein gutes Einkommen erzielt. Menschen mit geringem Einkommen finden bei diesem Entwurf keine Berücksichtigung.

Zusammenfassung

Frugalismus in seiner Definition ist weder eine Ideologie noch eine Utopie. Vielmehr ist es eine Geisteshaltung, die viele Menschen bereits praktizieren, ohne dass es ihnen bewusst ist. Anhänger dieser Idee haben erkannt, dass die Versprechen der Konsumgesellschaft kein Garant für Zufriedenheit sind. Manchmal muss man gesellschaftliche Zwänge überwinden, um das persönliche Glück zu finden.
Zur Erlangung dieses Zieles ist der kritische Umgang mit den eigenen finanziellen Ressourcen von entscheidender Bedeutung. Dabei ist Sparsamkeit nicht mit Verzicht zu verwechseln.

*nur aus Gründen des Leseflusses wird in diesem Text der männliche Genus verwendet. Selbstverständlich ist die weibliche Form dabei stets mit einbezogen.

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